Q-Rider-Startseite
Tag 4
Ankunft
1. Tag
2. Tag
3. Tag
Flight Training
4. Tag
5. Tag
 
 

Donnerstag 5. Oktober 2000


Zwei Gründe treiben mich heute sehr früh auf die Straße. Der erste ist die Stinkwut auf den einge- bildeten texanischen Viehtreiber, der zweite das Wetter. Ein von Nordwesten herannahendes Sturmtief mit heftigen Schauern, sogar Hagel ist angekündigt, soll im Laufe des Tages über Texas und Oklahoma hereinbrechen.
Um viertel nach sechs bin ich bereits on the road auf der N 70 bzw. 287 über  Wichita Falls nach Amarillo.  Als ich dort wieder auf meine „heißgeliebte“ I 40 einbiege hat der Wind schon eine beachtliche Stärke erreicht.

Mit ca. 110 -120 km/h kämpfe ich, ständig in leichter Schräglage nach rechts, gegen den Sturm an.
Durch die Verwirbelungen anderer Fahrzeuge beutelt es mich stellenweise derart heftig, dass ich zum Korrigieren fast die ganze Fahrspur brauche.
Eine grausame Fahrerei! Aber Jammern hilft nichts, ich muss schauen, dass ich weiter Rich- tung Westen komme.
Es ist zwar noch trocken, aber die von Norden heranziehenden Wolken werden immer dunkler.


260 km habe ich seit meinem letzten Tankstop bei Amarillo auf diese Art und Weise zurück- gelegt, da lässt mit einem mal die Motorleistung nach. Als ich den Leistungsmangel durch etwas Gasgeben kompensieren möchte, merke ich, dass ich bereits „Anschlag“ fahre. Jetzt weiß ich auch woher der Rekordverbrauch von über 8 L/100 km herkommt. Benzinhähne auf Reserve und schon schnurrt sie wieder die Q.
Etwa bei Albuquerque geht dem Sturm die Luft aus, die Sonne kommt langsam wieder zum Vorschein und die Landschaft wird abwechs- lungsreicher aber auch karger. Dem Unwetter bin ich gerade noch entwischt.

Tankstopp

New Mexico

Schier endlos zieht sich das Asphaltband der Autobahn nach Westen durch die Halbwüsten New Mexicos und Arizonas.
Ich beschwichtige meine aufkommende Lange- weile in dem ich mir ständig einrede, alle Kilo- meter, die ich heute hinter mich bringe, morgen nicht mehr fahren zu müssen. „Sehr aufmun- ternd“!
Am späten Nachmittag, etwa 100 km vor Flagstaff, Arizona, wird wieder eine Tankpause fällig.

Der angekündigte Truck-Stop „Twin Arrows“ passt genau in mein Reichweitenschema.
Der etwa zweihundert Meter von der Autobahn entfernt liegende, von weitem durch die beiden überdimensionalen, schräg in den Boden ge- spickten, roten-gelben Pfeile gut erkennbare  Rasthof“ entpuppt sich aber leider als Geister- anlage.
Die schon halb verfallene Tankstelle liegt wirklich malerisch im letzten Licht der Abendsonne....


Aber in Anbetracht der nur noch homöo- pathischen Spritmenge im Tank meiner BMW kann ich diesen Anblick hier im „middle of no-where“ nicht so richtig ge- nießen. Obwohl ich ein paar Kilometer weiter in der Pampa eine Ansiedlung erkennen kann, halte ich es trotzdem für das Beste auf der Interstate weiter zu fahren. Wenn mir der Sprit ausgeht, ist dort am ehesten mit Hilfe zu rechnen. Auf äußerster Sparflamme schlei- che ich mit ca. 70 km/h über die Bahn. Dann ein Schild: „Next Gas 20 miles“. Das könnte klappen.

Twin Arrows

Viele bange Minuten verstreichen, bis die lang ersehnte Leuchtreklame der Tankstelle endlich vor mir auftaucht. Buchstäblich mit dem letzten Tropfen rolle ich zur Zapfsäule, pffff!
Eine halbe Stunde später steuere ich am Ortseingang von Flagstaff das nächstbeste Motel an und stelle den Motor für heute endgültig ab. Nach 1500 km und 13 ½ Stunden im Sattel ist einfach Schluss mit lustig.

Großen Appetit habe ich auch keinen, deshalb gibt’s nur ein Sandwich und zwei Bier auf der Bude.
Kurz vorm Einschlafen sehe ich im „Weather Channel“ noch Bilder aus der Ecke, wo ich heute Morgen noch war:
Jede Menge Sturmschäden sowie Hagelkörner in der Größe von Tischtennisbällen.
Gutes Timing, Schwein gehabt.

W-previous-button W-home-button W-next-button